Heimwerkerbank

Ein neuer Bahnhof in Rötgesbüttel

alter Bahnhofsvorplatz unter den Bäumen

Wir haben wieder einen richtigen Bahnhof! Bisher gab es in Rötgesbüttel seit 1982 nur einen sogenannten Haltepunkt. Der alte Bahnhof südlich dieser Bank, heute verkauft an einen Privatmann, wurde bereits im Jahre 1890 eingeweiht, solange fahren Züge durch unser Dorf. Jetzt endlich fährt der Zug stündlich in jede Richtung. Täglich 19 Züge pro Richtung. Sie ahnen es, die Bahnlinie hat eine sehr wechselvolle Geschichte.

Am 1.7.1890, also ziemlich genau vor 130 Jahren, wurde der Bahnhof eingeweiht. Die Züge fuhren zunächst nur den Teilabschnitt von Meine nach Triangel. Die kurz vorher gegründete Zuckerfabrik in Meine und die Torfabbauer in Triangel, die sogenannten Torfbarone, hatten politisch mächtig Druck gemacht. In Braunschweig hingegen stritten sich die federführende Königlich Preußische Eisenbahnverwaltung und das Militär um die Streckenführung. Der Nußberg und das Franzsche Feld waren Exerzierplätze. Der Streckenabschnitt Braunschweig-Meine, der östlich um den Nußberg herumführt, wurde erst 1894 eröffnet. Ab 1900 konnte man bis Uelzen und darüber hinausfahren.

Der Bahnhof Rötgesbüttel wurde bedient von einem Schrankenwärter, der hinter dem Bahnhof, dort wo heute das Ärztehaus steht, auch eine Dienstwohnung hatte. Am Bahnhof angegliedert war ein Stückgutschuppen mit zugehöriger Rampe, an der nördlichen Gebäudeseite des Bahnhofs ist noch heute der Dachverlauf zu sehen. Zwischen Bahnhofsgebäude und Schienen befand sich ein Anbau. Hier konnten die Schrankenkurbeln bedient werden. Der Schrankenwärter war zuständig für zwei Bahnübergänge, den heutigen Übergang der Dorfstraße und den mit dem Neubau entfallenen Übergang südlich zu den Feldern. Auch dort befand sich zeitweise eine Schranke. Weiterhin fertigte er den Stückguttransport ab und hatte den Güterbahnhof und die dortigen Weichen zu bedienen. Fahrkarten mussten ebenfalls bei ihm erstanden werden. Dazu gab es an der Südseite des Bahnhofsgebäudes einen kleinen Warteraum mit Glasfenster zum Kartenverkauf.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Bahnstrecke mehrfach bombardiert, so auch in Rötgesbüttel. Südwestlich des Ortes, die Bahnstrecke wurde nicht getroffen, gab es einige Dutzend Bombentrichter. Noch vor 10 Jahren wurde dort nach Blindgängern gesucht. Die ältere Generation erzählte, dass die gegen die Bombergeschwader erfolgte Vernebelung des Wolfsburger VW-Werkes durch starken Ostwind bis nach Rötgesbüttel trieb und die Piloten irritierte. 

Auch nach dem Krieg fuhren zunächst hauptsächlich Dampfloks. Jeden Sommer musste die Feuerwehr zu Flächenbränden an der Bahnstrecke ausrücken, die von Glut aus den Loks ausgelöst wurden. Später wurden die Dampfloks durch dieselgetriebene Züge ersetzt.

Der Rötgesbütteler Bahnhof bestand aus drei Gleisen: dem durchgehenden Hauptgleis und zwei Gleisen auf dem Güterbahnhof. Diese befanden sich dort, wo sich jetzt der Lagerplatz der Straßenbauer an der Kreisstraße befindet, 300m südlich von hier. Die Kreisstraße führte im großen Bogen um den Güterbahnhof herum. Der Güterbahnhof besaß eine Verladerampe, die von den örtlichen Landwirten zum Verladen von Getreide oder zum Entladen von Dünger genutzt wurde. Dazu gehörte auch eine Waage, auf die Pferdefuhrwerke fuhren, um zunächst leer und anschließend beladen gewogen zu werden. Im Winter war der Güterbahnhof ein Holzumschlagsplatz für Holz aus der Maaßel.  Im Jahre 1982 wurde dann der Rötgesbüttler Bahnhof zu einem Haltepunkt degradiert, der Güterbahnhof verschwand in der Folge, die Kreisstraße wurde umgelegt und um die Bahnstrecke gab es fortwährende Stilllegungsgerüchte.

Als Spätfolge der Wiedervereinigung, initiiert durch den dann gegründeten Regionalverband, kam um die Jahrtausendwende neuer, mäßiger Schwung in die Bahnpläne. Erst heute besitzt Rötgesbüttel wieder einen Bahnhof, ein wichtiges Bauwerk für den Stundentakt.

Hermann Schölkmann

P.S.: Das linke Bild zeigt den Bahnhof um die Jahrhundertwende, das rechte das Dorf, den Bahnhof und die Bombentrichter. Wie immer, wenn es um die Dorfgeschichte und um Bilder geht, muss hier für die Mithilfe und die Bereitstellung der Bilder Wilfried Reichelt gedankt werden.

 

Die Bank wurde gespendet vom LAK (Lebendiger Advendskalender)